Mythen und FalschmeldungenKlimakrise im Faktencheck

Der Kampf gegen den Klimawandel ist eine globale Aufgabe. Foto: Getty Images/Yuji Sakai

Der Klimawandel ist real und bereits heute spürbar. Auch, wenn manche Menschen einen kühlen Frühling für den Gegenbeweis halten. Mit einem ungebremsten Klimawandel nehmen wir uns selbst unsere Lebensgrundlage. Hier finden Sie faktenbasierte Argumentationshilfen für eine sachliche Diskussion.  
Source: Faktencheck Klimakrise

Es gibt viele Faktoren, die Auswirkungen auf das globale Klima haben, beispielsweise die Sonne, Vulkane – und früh auch schon der Mensch. Bei der aktuellen Entwicklung ist sich die Wissenschaft einig: Die Erde wird wärmer und das Klima wandelt sich, und das schneller als zuvor und weltweit. Dies belegt eine Vielzahl voneinander unabhängiger Phänomene und Beobachtungen, wie der beschleunigte Verlust des Meereises am Nordpol, der Anstieg der Meeresspiegel oder Veränderungen in der Vegetation. Zahlreiche Studien zeigen: Das 20. Jahrhundert war das wärmste der letzten eintausend Jahre. Am stärksten hat sich die Erde seit den 1920er Jahren erhitzt.

Die Behauptung, dass es keinen Klimawandel gibt, weil sich das Klima schon immer verändert hat, ist falsch.

Schon jetzt hat die weltweite Durchschnittstemperatur seit dem Beginn der Industrialisierung 1880 um rund 1,2 Grad Celsius zugenommen. In Deutschland sind es sogar 1,6 Grad. Allein in den vergangenen fünfzig Jahren haben sich die extremen Wetterereignisse in Deutschland mehr als verdreifacht. Das bedeutet: extreme Hitze und Trockenheit, Starkregen und Überschwemmungen haben zugenommen. Während es 1951 im Durchschnitt in Deutschland drei Hitzetage gab, waren es 2020 schon 11. Die besonders trockenen Jahre 2018 und 2019 waren für Mitteleuropa beispiellos in den vergangenen 250 Jahren. Durch die erhöhten Temperaturen verschieben sich auch die Blütezeiten von Pflanzen, so dass sie nicht mehr zum Lebenszyklus der Insekten passen, die sie bestäuben sollen. 

Klimawandelfolgen in Deutschland (Weitere Beschreibung unterhalb des Bildes ausklappbar als "ausführliche Beschreibung")

In Deutschland zeigen sich die Folgen des Klimawandels bereits jetzt deutlich.

 

Menschengemachte Treibhausgase sind die Ursache für den aktuellen Klimawandel. Zahlreiche Studien weltweit belegen den Zusammenhang. Der Weltklimarat der Vereinten Nationen (IPCC) legt dazu regelmäßig seine wissenschaftlich fundierten Berichte vor. Dafür werten renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gemeinsam die weltweit verfügbaren Studien zum Klimawandel aus. Am letzten IPCC-Sachstandsbericht waren hunderte Klimaexpertinnen und -experten beteiligt. Der Bericht bestätigt eindeutig, dass der Mensch die Hauptursache für den globalen Temperaturanstieg ist.


Die Behauptung, dass der Mensch keinen Einfluss auf den Klimawandel hat, ist falsch.

Natürliche Treibhausgase in der Atmosphäre umgeben die Erde und wirken dabei wie ein Mantel, der davor schützt, dass zu viel Wärme ins All entweicht. Doch seit der Industrialisierung erhöht sich der Anteil der Treibhausgase fortlaufend, so dass die Atmosphäre überhitzt. Die größte Menge von Treibhausgasen ist das CO2. Es entsteht vor allem beim Verbrennen von Kohle, Öl und Gas zur Gewinnung von Energie, aber auch durch das Abholzen von Wäldern. Die höhere Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre führt dazu, dass sich die unteren Luftschichten erwärmen und verstärkt damit den Klimawandel. Seit Beginn der Industrialisierung ist die absolute CO2 -Konzentration enorm gestiegen: Sie beträgt insgesamt etwa 44 Prozent mehr als in den vorangegangenen 10.000 Jahren.
Seit den 1950er Jahren steigt die Menge an CO2 jedes Jahr durchschnittlich um das Vierfache. Auch die Konzentration anderer klimarelevanter Treibhausgase hat sich deutlich erhöht, etwa Methan (CH4) oder Lachgas (N2O). Sie entstehen vor allem in der Landwirtschaft, durch die intensive Tierhaltung.
Gleichzeitig verschwinden sogenannte Senken, natürliche Landschaften, wie Wälder oder Moore, die Treibhausgase aufnehmen können. Sie werden weniger, weil der Mensch sie für seine Zwecke nutzt, indem er beispielsweise Flächen versiegelt, Moore austrocknet und Wälder rodet.

Quellen:
Bundesumweltministerium, 2019
Atmosphärische Treibhausgas-Konzentrationen, Umweltbundesamt, 2021
Zusammenfassung, Klimaänderung 2013, Naturwissenschaftliche Grundlagen des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderung (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC), 2013 (pdf-Dokument)
Hauptaussagen, Sechster Sachstandsbericht, Naturwissenschaftliche Grundlagen des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderung (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC), 2021 (pdf-Dokument)

Auch ohne den Menschen werden große Mengen Kohlenstoff ausgetauscht: zwischen ⁠Atmosphäre⁠ und Ozean rund 90 Milliarden Tonnen Kohlenstoff pro Jahr und zwischen Atmosphäre und Pflanzen rund 60 Milliarden Tonnen Kohlenstoff jährlich. Die Konzentration von CO2 in der Atmosphäre steigt durch diesen natürlichen Kohlenstoffkreislauf jedoch aus folgenden Gründen nicht an: Ozeane nehmen ungefähr gleich viel ⁠CO2 auf⁠, wie sie in die Atmosphäre abgeben, Pflanzen ebenso. Die CO2-Bilanz für die Atmosphäre ist also praktisch gleich Null.

Die Behauptung, dass der Mensch nur einen sehr geringen Anteil zum gesamten CO2-Ausstoß beiträgt und deshalb keinen Einfluss auf das Klima hat, ist falsch.

Der Ausstoß des Menschen von derzeit rund 8 Milliarden Tonnen Kohlenstoff pro Jahr scheint im Vergleich auf den ersten Blick gering.  Anders als der natürliche CO2-Ausstoß sind dies jedoch zusätzliche Treibhausgase, die einen kontinuierlichen Anstieg des CO2-Gehalts in der Atmosphäre verursachen. Einen Teil davon können Ozean und Vegetation zusätzlich aufnehmen, aber nicht alles. Das ist der Grund, warum die CO2-Konzentration in der Atmosphäre ansteigt. CO2 hat einen großen Effekt, denn es ist treibhauswirksam. Eine Ansammlung dieser Gase in der Atmosphäre führt zu einer Erwärmung der unteren Luftschichten und damit insgesamt zur Erwärmung unseres Planeten. 

So reduziert Deutschland seinen CO2-Ausstoß (Weitere Beschreibung unterhalb des Bildes ausklappbar als "ausführliche Beschreibung")

Bis 2030 soll Deutschland 65 Prozent weniger Treibhausgase ausstoßen. Jeder Sektor hat dafür klare Einsparungsvorgaben.

Foto: Bundesregierung

Ein langfristiger Trend erlaubt auch kurzfristige Schwankungen: Ein kalter Tag oder auch ein kalter Winter sind weiterhin möglich, auch bei einem langfristigen Trend zur Erderwärmung. Denn Wetter ist etwas anderes als Klima. Klima ist so etwas wie das „Durchschnittswetter“, der typische Verlauf des Wetters in einem bestimmten geographischen Raum über einen längeren Zeitraum hinweg. Wetter hingegen ist das, was wir täglich erfahren: der kurzfristige und sich stets verändernde Zustand der Atmosphäre an einem bestimmten Ort. Ein einzelner seltener besonders heißer oder kalter Tag, an einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten Jahreszeit, ist ein Extremwetterereignis. Wenn sich Extremwetterereignisse häufen, wie beispielsweise eine Dürre oder Starkniederschlag über einen längeren Zeitraum, spricht man von extremen Klimaereignissen. Anhand dieser lassen sich Veränderungen im Trend des Klimas über einen längeren Zeitraum statistisch nachweisen.

Die Behauptung, dass es keine Erderwärmung geben kann, weil es gerade untypischer Weise regnet oder weil der letzte Winter so kalt war, ist falsch.

Allein in den vergangenen fünfzig Jahren haben sich die extremen Wetterereignisse in Deutschland mehr als verdreifacht. 2018 gehörte Deutschland sogar erstmals zu den am stärksten von Extremwetter betroffenen Ländern der Welt.

Das bedeutet: extreme Hitze und Trockenheit, Starkregen und Überschwemmungen haben zugenommen. Während 1951 im Durchschnitt in Deutschland drei Hitzetage gab, waren es 2020 schon 11. Auch in Deutschland merkt man die Folgen der Erderwärmung.  

Quelle:
Klimaschutz in Zahlen: Fakten, Trends und Impulse deutscher Klimapolitik, BMU, 2020 (pdf-Dokument)

Selbstverständlich wird auch bei der Atmung von Menschen und Tieren CO2 freigesetzt. Dieses ist jedoch Teil des natürlichen Kohlenstoffkreislaufs, es erhöht die CO2-Konzentration in der Atmosphäre nicht und ist deswegen kein Problem für das Klima.

Die Behauptung, dass auch Atmen zum Klimawandel beiträgt, ist also falsch.

Pflanzen nehmen CO2 aus der Atmosphäre auf. Mithilfe der Sonnenenergie wandeln sie es in Kohlenstoff um und bauen daraus ihre Früchte, Blätter und Wurzeln. Diese bilden die Grundlage der Nahrungskette: Sie werden entweder von Menschen direkt gegessen, oder Tiere fressen sie und anschließend Menschen die Tiere. Unsere Nahrung enthält also aus der Atmosphäre stammenden pflanzlichen Kohlenstoff, den wir wiederum verbrauchen und dabei CO2 freisetzen. Es handelt sich damit um einen geschlossenen Kreislauf. 

1999 veröffentlichten US-amerikanische Forscher eine Studie, in der sie sowohl mittels Messdaten von Wetterstationen als auch anhand historischer Klimadaten von indirekten Klimazeugen (Baumringe, Eisbohrkerne, Korallen und anderen Aufzeichnungen) rekonstruierten, wie sich die globale Jahresmitteltemperatur in den letzten tausend Jahren entwickelt hat. Ihre Ergebnisse zeigen, dass die globale Temperatur zwischen 1000 und 1850 stetig leicht sank, seit dem 20. Jahrhundert aber stark gestiegen ist – grafisch in Celsius und über die Zeitachse dargestellt, ergibt sich das Bild eines Hockeyschlägers. Die historischen Temperaturdaten, die aus indirekten Klimazeugen abgeleitet werden, sind erheblich unsicherer als direkte Temperaturmessungen.

Die Behauptung, dass die „Hockeyschläger-Kurve“ eine Fälschung sei, ist jedoch falsch.

Nach 1999 erfolgten weitere, methodisch verbesserte Untersuchungen, die das prinzipielle Ergebnis bestätigen: Im Zeitraum um 1000 und 1400 erreichten die Temperaturen zeitweilig das Niveau der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Zwischen 1600 und 1900 war es deutlich kälter und seit dem 20. Jahrhundert steigen die Temperaturen deutlich, steil und höher an als zuvor und signalisieren damit eine sehr schnelle und starke Erderwärmung. 

Quellen:
Zusammenfassung des Berichts des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderung (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC), 2001 (pdf-Dokument)
Und sie erwärmt sich doch. Was steckt hinter der Debatte um den Klimawandel? Umweltbundesamt, 2013 (pdf-Dokument)

Schon in der jüngeren Vergangenheit haben Extremwetterereignisse und Dürren in einigen Weltregionen, darunter auch Deutschland, zu großen Schäden geführt. Auch wenn es gelingt, die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, wird es häufigere und intensivere Extremwetterereignisse geben, die zu immensen Schäden führen und Lebensgrundlagen zerstören.

Die Behauptung, dass der Klimawandel gar nicht so schlimm sei, ist falsch.

Die Temperatur steigt auf dem Land wesentlich mehr als über dem Ozean und in einigen Weltregionen stärker als im Durchschnitt. Die Lebensgrundlage und die Ernährungssicherheit der Menschen ist deshalb vielerorts bedroht: Die Erderwärmung führt zu Artensterben von Pflanzen und Tieren, Waldbränden, Wüstenbildung, auch der Zustand von Böden verschlechtert sich. Mit dem Abschmelzen der Eiskappen in Grönland ist ein Anstieg des Meeresspiegels von bis zu 1,1 Meter bis 2100 möglich: Über 700 Millionen Menschen, die an niedrig gelegenen Küsten oder in kleinen Inselstaaten leben, wären von Extremwasserständen und häufigeren tropischen Wirbelstürmen betroffen. Bereits jetzt schmilzt das Eis in Grönland und der Antarktis und hat zu einem mittleren globalen Meeresspiegelanstieg um 16 cm geführt, jährlich werden es 3,6 mm mehr.  

Die stetige Erwärmung der Meere führt dazu, dass die Wasserschichten sich weniger mischen. So werden Fische schlechter mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Damit können weltweit weniger Fische gefangen werden. Das bedeutet für Menschen, die vom Fischfang abhängig sind, gesundheitliche und Versorgungsrisiken.  

Ein ungebremster Klimawandel würde neben der allmählichen Erwärmung auch abrupte und besonders starke Klimaänderungen mit sich bringen: Wenn „Kipp-Punkte“, kritische Schwellen im Klimasystem, erreicht werden, verstärkt sich der Klimawandel selbst. Einige Entwicklungen sind dann unumkehrbar. Als besonders bedroht gelten hierbei die arktischen Permafrostböden. Sie speichern riesige Mengen an CO2 und Methan – insgesamt etwa 25 Prozent des weltweiten Bodenkohlenstoffs. Schmelzen sie, würden diese Treibhausgase freigesetzt und die Erderwärmung erheblich verstärkt. 
Klimaschutz ist daher ethisch und ökonomisch eine sinnvolle Investition: Ein ungebremster Klimawandel verursacht immense wirtschaftliche und gesellschaftliche Schäden. 

Quellen: 
1,5 °C Globale Erderwärmung, IPCC-Sonderbericht, 2018 (pdf-Dokument)
Der Ozean und die Kryosphäre in einem sich wandelnden Klima, IPCC-Sonderbericht, 2019 (pdf-Dokument)
Klimaschutz in Zahlen: Fakten, Trends und Impulse deutscher Klimapolitik, BMU, 2020 (pdf-Dokument)

An die bereits erfolgte Erderwärmung müssen wir uns anpassen. Schon jetzt hat die weltweite Durchschnittstemperatur seit dem Beginn der Industrialisierung 1880 um rund 1,2 Grad Celsius zugenommen, in Deutschland sind es sogar 1,6 Grad. Ziel des Pariser Klimaabkommens ist es, die Erderwärmung auf ein Minimum zu begrenzen. Doch auch dann wären wir mit extremen Wetterereignissen konfrontiert: extreme Hitze und Trockenheit, Starkregen und Überschwemmungen haben sich allein in den vergangenen 50 Jahren mehr als verdreifacht. Deswegen begegnet die Bundesregierung den Herausforderungen des Klimawandels auch mit der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS). In der 2021 veröffentlichten Klimawirkungs- und Risikoanalyse (KWRA), eine wesentliche Grundlage für die Weiterentwicklung der DAS, werden Anpassungsmaßnahmen für Deutschland benannt: So wurden Hochwasserschutzprogramme eingeleitet und Waldflächen in standortgerechte Mischwälder umgewandelt. Außerdem werden Landwirtschaftsflächen zum Schutz vor Dürreperioden bodenschonend bewirtschaftet, Gebäude vor Starkregen und Küsten vor dem ansteigenden Meeresspiegel geschützt. Weitere Maßnahmen werden nötig sein. Hierzu zählen insbesondere die Begrünung in Städten und die wasserbewusste Entwicklung von Lebensräumen, in denen Wasser effektiv genutzt und geschützt wird, und Schäden durch Hochwasser und Starkregen vermieden werden.

Die Behauptung, dass Menschen, Tiere und die Natur sich einfach dem neuen Klima anpassen können und werden, ist aber nur teilweise richtig. 

Unsere Gesellschaft ist, ebenso wie die Ökosysteme, an das aktuelle Klima angepasst. Wenn sich das Klima zu schnell ändert und sich die Erde zu schnell erhitzt, besteht die Gefahr, dass Menschen, Tiere und Pflanzen nicht genug Zeit für die Anpassung an die neuen Verhältnisse haben oder ihren Lebensraum verschieben können. Ihr Leben wäre bedroht. 

Klimawandelfolgen bei 1,5 und 2 Grad Celsius (Weitere Beschreibung unterhalb des Bildes ausklappbar als "ausführliche Beschreibung")

Ein halbes Grad macht einen Unterschied: Die Auswirkungen des Klimawandels sind umso stärker, je mehr sich die Erde erwärmt.

Wir können nicht so weitermachen wie bisher, ein ungebremster Klimawandel hätte katastrophale Folgen. Schon jetzt können wir die Erwärmung nur aufhalten und versuchen, sie auf ein Minimum zu begrenzen und uns an den bereits erfolgten Wandel anzupassen. Der Wandel in eine treibhausgasneutrale Gesellschaft ist möglich und muss gesellschaftlich und wirtschaftlich verträglich ausgebaut werden.

Die Behauptung, dass tiefgreifende Veränderungen nicht notwendig sind, ist falsch.

Es ist anzunehmen, dass die Forschung weitere Technologien entwickelt, die neue Möglichkeiten beim Klimaschutz schaffen. Aber wir können nicht darauf vertrauen und warten. Schon jetzt bietet Klimaschutz für die Wirtschaft Chancen für Innovation, Modernisierung und internationalen Wettbewerb.
Gerade in Deutschland sind Umwelt- und Klimatechnologien ein bedeutendes Standbein der Industrie. Sie tragen maßgeblich zur Beschäftigung in Deutschland bei. Das Ende der Kohlestromversorgung bis Ende 2038 und der damit verbundene Strukturwandel in den betroffenen Regionen ist ein zentraler Schritt in eine CO2-neutrale Energieversorgung. Die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes enthält das Ziel, dass vor dem Jahr 2050 der gesamte Strom in Deutschland treibhausgasneutral erzeugt wird. Auch die Förderung von Klimaschutzmaßnahmen durch Anreize und freiwillige Selbstverpflichtung – wie beispielsweise ein Zuschuss beim Kauf von E-Autos und beim Umbau von Heizungen, oder die Selbstverpflichtung der Abfallwirtschaft, Treibhausgase in ihren Deponien zu senken – sind Teil der Lösung. Sie reichen aber nicht aus und müssen ein Maßnahmenbündel mit klaren Vorschriften und Regeln bilden. Ein entsprechendes Bündel hat die Bundesregierung mit dem Klimaschutzprogramm und dem Klimaschutzgesetz beschlossen. 
Auch viele andere Staaten weltweit haben den Prozess gestartet, ihre Wirtschaft umzubauen, um weniger Ressourcen zu nutzen und mehr Energie aus erneuerbaren Quellen zu gewinnen.

Quelle:
Bundesumweltministerium, 2021

Ob ein Elektrofahrzeug klimafreundlich ist, entscheidet sich vor allem an der Gewinnung des Ladestroms und an der Produktion der Batterie.
Auch wenn ein Elektroauto abgasfrei fährt, kann es bei der Herstellung des Ladestroms zu Treibhausgasausstoß kommen, wenn dieser durch fossile Energie erzeugt wird. Nur wenn der Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt wird, fahren Elektrofahrzeuge klimafreundlicher als Verbrenner. 2019 betrug der Anteil erneuerbarer Energien im deutschen Strommix bereits 42 Prozent, für 2030 hat sich die Bundesregierung das Ziel von mindestens 65 Prozent gesetzt. Damit fahren Elektroautos schon jetzt, mit dem aktuellen deutschen Strommix, deutlich klimafreundlicher als Verbrennerfahrzeuge. Auch die Klimabilanz der energieintensiven Herstellung der Batterien verkleinert sich durch den wachsenden Anteil erneuerbarer Energien am Strommix.

Die Behauptung, dass Elektrofahrzeuge über den gesamten Produktlebenszyklus gar nicht klimafreundlicher wären als Verbrenner, ist falsch.

Für die Herstellung von Elektrofahrzeugen werden allerdings mehr Rohstoffe benötigt als für die Herstellung von Verbrennungsmotoren. Dies betrifft insbesondere die Produktion der Batterie, für die Rohstoffe wie Lithium und Kobalt benötigt werden. Deswegen gelten Wiederverwertungsvorgaben für Batterien und Fahrzeuge. Bei Antriebsbatterien ist zudem ein Trend zu erkennen, dass der Rohstoffbedarf sinkt. Beispielsweise gibt es Batterien, die ohne Kobalt auskommen und trotz des Einsatzes von weniger Rohstoffen die Elektrofahrzeuge längere Strecken fahren lassen können.
Elektrofahrzeuge leisten einen Beitrag zu Klimaschutz im Straßenverkehr. Mit einem steigenden Anteil an Strom aus erneuerbaren Quellen werden sie noch klimafreundlicher.

Quelle:
Wie umweltfreundlich sind Elektroautos? Eine ganzheitliche Bilanz, BMU, 2021 (pdf-Dokument)

Ökologisches Handeln führt zu mehr sozialer Gerechtigkeit. Denn sowohl in Deutschland als auch weltweit schadet der Klimawandel ärmeren Menschen mehr als wohlhabenderen. Der Weltklimarat (IPCC) bezeichnet den Klimawandel als „Armutsverstärker“.

Allgemein verursachen wohlhabende Menschen durch ihren Lebensstil meist mehr CO2-Ausstoß: Fernreisen, große Wohnungen und große Autos tragen zu einem deutlich größeren ökologischen Fußabdruck bei. Deswegen ist Klimaschutz sozial gerecht und Maßnahmen, wie die CO2-Bepreisung sind insoweit gerecht, als sie an den Verbrauch und das Verursacherprinzip anknüpfen. Klimaschutz geht nur gemeinsam, aber es ist wichtig, dass jede und jeder den Beitrag zum Klimaschutz leistet, der ihren/seinen Möglichkeiten und Wohlstand entspricht.

Die Behauptung, dass Klimapolitik sozial ungerecht sei, ist falsch.

Gut durchdachte Treibhausgasminderungs- und Anpassungsmaßnahmen, die im Einklang mit den Nachhaltigkeitszielen (SDG) stehen, reduzieren Ungleichheiten. Sie stellen sicher, dass Existenzgrundlagen gesichert werden und Menschen in Würde leben können. Wenn wir jetzt nicht handeln, wird der Klimawandel Schäden verursachen, die mehr kosten als der Klimaschutz. Die soziale Ungerechtigkeit würde steigen. Als Folge der Erderwärmung wird es häufigere und intensivere Extremwetterereignisse geben, die zu immensen Schäden führen und Lebensgrundlagen zerstören. 

Auch die Behauptung, dass Klimapolitik den wirtschaftlichen Wohlstand bedrohe, ist falsch.

Die Schäden eines ungebremsten Klimawandels senken das Wirtschaftswachstum. Ein schonender Umgang mit natürlichen Ressourcen und eine gesunde Umwelt sind Voraussetzung für eine langfristig stabile wirtschaftliche und soziale Entwicklung. Bereits 2017 waren rund 1,5 Millionen Menschen für den Klimaschutz tätig, das ist etwa jeder 30. Berufstätige. Investitionen in den Klimaschutz sind ökonomisch sinnvoll, um den Anschluss an Technologien nicht zu verpassen. Gleichzeitig ist Klimaschutz ein Markt, der künftig noch weiterwachsen wird und neue Arbeitsplätze schafft. 

Quellen: 
1,5 °C Globale Erderwärmung, IPCC-Sonderbericht, 2018 (pdf-Dokument)
Beschäftigung im Umweltschutz 2017, Umweltbundesamt, 2020 (pdf-Dokument)
Klimawirkungs- und Risikoanalyse 2021 für Deutschland – Teilbericht 5: Risiken und Anpassung in den Clustern Wirtschaft und Gesundheit, Umweltbundesamt (pdf-Dokument)
Die Glorreichen 17: Nachhaltigkeitsziele
Bundesumweltministerium, 2021

Bereits jetzt sind einige Folgen des Klimawandels nicht mehr umkehrbar und wir können uns lediglich anpassen. Umso wichtiger ist es, die menschengemachten Treibhausgasemissionen so schnell wie möglich erheblich zu reduzieren. Denn langfristig sind die Kosten des Klimaschutzes deutlich geringer, als die einer ungebremsten Erderwärmung. Der Weltklimarat (IPCC) hat Bedingungen und Wege aufgezeigt, wie eine Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius möglich ist.

Die Behauptung, dass es für Klimaschutz bereits zu spät ist und wir nichts mehr tun können, um die Erderwärmung aufzuhalten, ist falsch.

Aber es gibt viel zu tun: Bis Mitte des Jahrhunderts müssen die globalen CO2-Emissionen auf netto Null reduziert werden. Auch andere Treibhausgase wie Lachgas oder Methan müssen drastisch reduziert werden. Hierfür sind schnelle und weitreichende Veränderungen in unserem Energiesystem, in der Landwirtschaft, in Städten, in der Infrastruktur und in der Industrie notwendig. Noch können wir den Klimawandel an einem Punkt stoppen, der unsere Welt in einem menschenfreundlichen Zustand erhält.

Quelle:
1,5 °C Globale Erderwärmung, IPCC-Sonderbericht, 2018 (pdf-Dokument)

Ganz egal, wie groß oder klein der Beitrag eines Landes oder eines Einzelnen zum globalen Ausstoß an Treibhausgasen ist: Jeder sollte seinen Beitrag leisten. Denn wir alle tragen zum Klimawandel bei und müssen ihn daher auch gemeinsam stoppen. Historisch gesehen ist Deutschland für 4,6 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen seit 1850 verantwortlich.

Die Behauptung, dass wir nur einen winzig kleinen Teil zur Erderwärmung beitragen, und deswegen ruhig abwarten können, bis größere Umweltverschmutzer voran gehen, ist falsch.

Wir sind etwa ein Prozent der Weltbevölkerung, verursachen aber jährlich zwei Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen – also doppelt so viel wie der weltweite Durchschnitt. Deutschland gehört zudem zu den international wichtigsten Industriestaaten und kann in verschiedenen Gremien (EU, G7, G20) Einfluss geltend machen und auch indirekt Vorbild sein: Wie gelingt der klimaschonende Umbau einer wohlhabenden Gesellschaft? 

Quelle:
Klimaschutz in Zahlen: Fakten, Trends und Impulse deutscher Klimapolitik, BMU, 2020 (pdf-Dokument)

Flyer Der Weltklimarat IPCC – IPCC
Erhöhte CO2-Emissionsraten in Mooren – Andreas Schomburg
2001-wg1 – Gabriele Muller-Ferch
Wie umweltfreundlich sind Elektro Fahrzeuge – Bundesministerium für Umwelt
Klimaschutz in Zahlen_ Fakten, – Bundesministerium für Umwelt
Treibhauseffekt & Keeling-Kurve | Erneuerbare Energien – Vorlesung
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